Die Räumlichkeiten KUNST/MUSIK RAUM (vormals Bund bildender Künstler
(BBK)) in der Gerresheimer Straße 22 verfügen über mehrere Etagen,
die mit zeitgenössischer Literatur und Musik bespielt werden.
Die oben genannte Veranstaltung verbindet Formen zeitgenössischer
Literatur und Musik miteinander: in simultanen Aufführungen literarischer
Texte und Musik werden verschiedene Publiken (Konzertpublikum, Literaturinteressierte
und Galeriebesucher) zueinander geführt und zu interrezeptionellen Interaktionen
angeregt.
Die Simultanaufführung (Lesung plus Live - Musik) von Julien
Gracqs Text "Die engen Wasser" (1976) und dem Klavierstück "Palais
de Mari" (1986) von Morton Feldman, zusätzlich der Uraufführung
des Klavierstückes "(17) Essays aus Musik" von Martin Curschmann
werden aus der ersten Etage in den circa 280 qm umfassenden Kellerraum des KUNST/MUSIK
RAUM übertragen. Nach einer kurzen Einführung zu den Autoren und Werken
wird den Besuchern durch die räumlich entgegengesetzte Anordnung der Lautsprecher
die Möglichkeit zu individueller Wahrnehmung der Ebenen Text und Musik gegeben.
Ziel dieses Projektes ist es, genau diesen in Deutschland weitestgehend
unbekannten Autor/Komponisten genreübergreifend einem breiteren Publikum
in ungewohnter Form erstmals zu präsentieren.
Abgesehen von der überragenden Bedeutung Julien Gracqs für
die französische Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts, ist "Die engen
Wasser" aufzuführen eine Wiederentdeckung für den deutschen Sprachraum
(seit 1985 wurde der Text nicht wieder aufgelegt und zur Zeit vergriffen).
Morton Feldman soll hier einer breiteren Öffentlichkeit bekannt
gemacht werden. Dazu präsentieren sich die Künstler Thom, Schablewski
und Curschmann mit aktuellen Arbeiten (Vermittlung von Literatur und Musik mit
künstlerischem Gegenwartsbezug).
Erläuterungen zu: Literatur und Musik
Julien
Gracq und Morton Feldman, Martin
Curschmann
"Die engen Wasser" (1985 deutschsprachige Erstausgabe) und
"Palais de Mari" for piano (1986), "(17) Essays aus Musik"
(2003 UA)
Rezitator: Frank
Schablewski
Komponist und Pianist: Martin Curschmann
zur Literatur
"... , das schlafende Mulde der Èvre, unbekanntes Nebenflüßchen
der Loire, in die es fünfzehnhundert Meter nach Saint-Florent fließt,
in der Landschaft meiner fernen Jahre einen privilegierten, ungleich geheimnisvoller
prangenden Bezirk, ... (Auszug).
"Die engen Wasser" von Julien Gracq ist ein kurzer Roman
"traumhafter Assoziation", der Rhythmus ist der Kurs der Gewässer,
jene eines Zuflusses, der einen Lebensabschnitt beschreibt. Die engen Wasser ist
eine Art Erforschung nach diesen Kindheitsorten, die sich bewegen im Rhythmus
eines Films, der stattfindet und die Bewegung einer Barke auf dem Wasser dort
sieht, die Bewegung ohne Rückkehr des Kurses dieser Gewässer-, ihrer
Bezogenheit mit einer Mystik auf ein Leben, das stattgefunden hat und das jetzt
anschaut, jenes narrenhafte. (...)
So deckt man in diesem dünnen Volumen - das transparenteste
das leichteste aus dem Gesamtwerk von Julien Gracq, dessen Eurythmie sofort einen
Charme auf den Leser (und Hörer, die Sol.) ausübt - so ist sein "ich"
als auch jeder Ort ein Rückblick, eine Strecke, wo eine Theorie reverie und
der Genuß der Lektüre sich mischen (...).
Claude Dourgain in œuvres complets von Julien Gracq, Pléiade, T2
p. 1459
zur Musik
Julien Gracqs Die engen Wasser verbindet sich ideal mit dem Klavierstück
Palais de Mari von Morton Feldman. Wie sich leicht bewegende Wasseroberflächen
bildet die Musik einen stets leicht changierenden rhythmisch-klangfarblichen Raum,
hierin der Prosa Gracqs verwandt. Kontemplativ und meditativ wirkt die Musik dort,
wo der Hörer in Gedanken zur Literatur ist. Das ist nicht illustrativ, sondern
eine hohe Sensibilisierung gegenüber der instrumentalen Klangfarbe. Die Klangfarbe
des Instruments, hier des Klaviers, betrachtet Feldman als primären musikalischen
Parameter, dem er andere Parameter wie die Tonhöhe unterordnet. Am nächsten
kommt diesem Werk die historische Leistung der Abstract Expressionists, die im
vergleichbaren Sinne auf ihren Gemälden eine flache Oberfläche ohne
perspektivische Konstruktion oder abbildende Funktion etabliert haben. Insofern
stellt bei Feldman der Klang als akustische Oberfläche der Musik keine darunterliegende
Tonhöhenkonstruktion zusammen. Der Klang soll als solcher für sich wahrgenommen
werden. Zu diesem Klavierstück von Feldman, das die eine Hälfte der
Zeit, des literarischen Vortrages dauert, komponiert und interpretiert der Düsseldorfer
Komponist Martin Curschmann ein Klavierstück, das die Musik Feldmans und
die Prosa Gracqs musikalisch reflektiert. (Uraufführung) Mit einer leicht
rhythmischen Weiterentwicklung der Mechanisms von George Antheil entwirft Martin
Curschmann seine Essays aus Musik.
Die Veranstaltung dauert ca. 70 min. mit einer kurzen Einführung
zu den Texten und der Musik beziehungsweise der Autoren.
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